21.05.2014 19:21 Alter: 3 yrs
Kategorie: Einsätze 2014, Besondere Einsätze
Von: Florian Karlstedt

Gebäudefeuer Harzburger Hof: 48 Stunden Dauereinsatz


Material-, Personalschlacht auf höchstem Niveau – Rettungskräfte aus dem gesamten Landkreis Goslar bekämpfen zwei Tage lang eines der größten Gebäudefeuer der Stadt Bad Harzburg.


Am 21. Mai 2014, wurde die Bad Harzburger Feuerwehr um 19.21 Uhr gemeinsam mit dem Rettungsdienst zu einer gemeldeten Rauchentwicklung in die Kurhausstraße, ehemaliger Harzburger Hof, alarmiert. Da es für dieses Gebäude, aufgrund der Lage und örtlichen Gegebenheiten, einen speziellen Feuerwehreinsatzplan gibt, wurde automatisch die Ortsfeuerwehr Harlingerode mit zu diesem Einsatz gerufen. Normalerweise wären auch Kräfte aus Bündheim/Schlewecke im ersten Abmarsch enthalten, diese befanden sich zu diesem Zeitpunkt noch bei einem parallel laufenden Einsatz auf der Bundesstraße 4.

Die erste Lageerkundung ergab, dass das Dach sowie die 4. Etage des Haupthauses in Vollbrand stehen, das Feuer auf die darunterliegenden Etagen teilweise übergreift.

Erhöhung des Stichwortes schon auf der Anfahrt

Schon auf Anfahrt war eine weit sichtbare schwarze Rauchsäule sichtbar, sodass das Einsatzstichwort durch den Einsatzleiter Uwe Fricke, Ortsbrandmeister der Bad Harzburger Feuerwehr, um zwei Stufen erhöht wurde: Vollalarm für die Feuerwehren der Stadt Bad Harzburg und ein zweiter Löschzug aus der Nachbarstadt Goslar, zeitnah kamen dann noch die Alarmierungen der Löschzüge aus Braunlage und Langelsheim, sowie die Feuerwehren Vienenburg und Oker dazu.

Mehrere leistungsstarke Wasserentnahmestellen wurden entlang der Radau, ein durch die komplette Stadt fließender Fluss, und an einem nahegelegenen Teich hergestellt. Wasserförderung über lange Wegstrecke – mehrere Leitungen, mit einer Gesamtlänge von etwa acht Kilometer und dazwischenliegenden Verstärkerpumpen, förderten die große Menge an benötigtem Löschwasser zur Einsatzstelle. Über drei Drehleitern, mehreren Wasserwerfern, sowie mehreren B-Rohren wurde versucht das Feuer unter Kontrolle zu bekommen.

Aufgrund der enormen Rauchentwicklung und der geringen Distanz zu einer Reha-Klinik, wurde durch die Einsatzleitung und dem in der Zwischenzeit alarmiert und eingetroffenem Leitenden Notarzt (LNA) und Organisatorischer Leiter Rettungsdienst (OrgL), eine eventuelle Evakuierung der Klinik vorbereitet. Als Unterkünfte waren das Kurhaus, sowie eine Turnhalle im Ortsteil Göttingerode vorgesehen. Schadstoffmessungen durch die Spür- und Messfeuerwehren im gesamten Stadtgebiet sowie Randgebiet Goslar, ergaben allerdings zu keinem Zeitpunkt eine messbare Gefahr – eine Evakuierung war daher nicht von Nöten. Lediglich die Verlegung einiger Patienten innerhalb des Hauses wurde, in Zusammenarbeit mit dem Klinikpersonal, durchgeführt. In einem mehrere Kilometer vom Einsatzort entfernen Industriebetrieb verqualmte eine Lagerhalle so sehr, das eine Person mit Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung an den Rettungsdienst übergeben werden musste. Die Feuerwehr Langelsheim fuhr diesen Einsatzabschnitt an und belüftete die betroffenen Bereiche. Auch LNA und OrgL machten sich hier vor Ort ein Bild der Lage.

Hubschrauber der Polizei zur Lageerkundung

Zur Lageerkundung aus der Luft, wurde von der Polizei der nachtflugtaugliche Polizeihubschrauber "Phönix" aus Hannover angefordert. Nach kurzer Zwischenlandung an der Rennbahn, wo Stadtbrandmeister Jürgen Volk an Bord ging, überflug er mehrmals die Einsatzstelle und machte zusätzlich wertvolle Luftaufnahmen, die von der Einsatzleitung ausgewertet und für die taktischen Einsatzführung genutzt werden konnten.

Nach etwa 10 Stunden Einsatzzeit konnte um 7.01 Uhr erstmals „Feuer unter Kontrolle“ an die Rettungsleitstelle nach Goslar gemeldet werden. Nach und nach konnten dann immer wieder Teileinheiten aus dem Einsatz entlassen werde oder auch von frischen Personal ersetzt werden. Die Löscharbeiten zogen sich den ganzen Tag über hinweg. Problem mit dem die Feuerwehr zu kämpfen hatte, das gesamte Gebäude ist in seiner Fläche so groß und mit 4 Etagen und einem ausgebauten Dachboden auch nicht unbedingt klein, das mit den im Landkreis Goslar vorgehaltenen Hubrettungsmitteln, nicht alle Teile des Gebäudes so erreicht werden konnten, das sie endgültig erfolgsbringen abgelöscht werden konnten. Mehrere Lösungsmöglichkeiten wurden durch die Einsatzleitung unter Zuhilfenahme der Stadtverwaltung und von Fachfirmen erarbeitet. Schlussendlich entschied man sich für einen massiven Schaumangriff über die Drehleiter.

Über Nacht wurde das Personal an der gesamten Einsatzstelle auf ein Minimum heruntergefahren, das Deutsche Rote Kreuz, das die Verpflegung aller Einsatzkräfte übernahm, eine Gruppe der Bad Harzburger Feuerwehr, die ein Löschfahrzeug, die Drehleiter und den Einsatzleitwagen des Landkreises Goslars besetzten. Unterstützt wurden sie durch die Goslarer Ortsfeuerwehr Weddingen und Hahndorf, später durch die Seesener Ortsfeuerwehr Kirchberg.

Zu Mitternacht hatte sich die Lage soweit entspannt, dass die ersten Planungen zum Rückbau der Einsatzstelle, Aufnahme der rund 400 B-Schläuche und mehrerer Tragkraftspritzen, unternommen wurden. Gegen 5.00 Uhr wurde durch den Einsatzleiter „Feuer aus“ nach Goslar gemeldet. Die Kräfte der Nachtschicht wollten gerade den Heimweg zur Wache antreten, als erneut Brandrauch aus dem hinteren Teil des Daches aufstieg. Mittels Drehleiter wurde von oben erkundet und anschließend zunächst die Bad Harzburger Feuerwehr erneut alarmiert. Brandnester, in der 5. Obergeschoss des Gebäudes im Übergang zu einem Nebengebäude, mussten aufwändig in Zwischendecken abgelöscht werden. Da ein großer Personalbedarf dafür bestand, wurden die Feuerwehren Bündheim/Schlewecke und Immenrode zur Einsatzstelle beordert, später zum Austausch und zur Unterstützung noch die Feuerwehren aus Altenau und der Samtgemeinde Lutter.

Autokran von der Berufsfeuerwehr

Um nun auch von oben an alle Teile des Gebäudes heranzukommen und auf letzte Brandnester kontrollieren zu können, gegebenfalls abzulöschen, wurde durch die Leitstelle der Feuerwehrkran samt zugehörigem Sonderfahrzeug der Berufsfeuerwehr Braunschweig angefordert.

Bevölkerungswarnungen über das Radio forderten die Bürger  von Bad Harzburg, Goslar und Vienenburg schon sehr früh auf, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Zusätzlich wurden entsprechende Informationen auf unserer Internetseite, sowie Facebookseite, bereitgestellt. Ebenfalls die Starke Rauchentwicklung im Einsatzverlauf, war Grund dafür, dass der Schulbetrieb des Niedersächsischen Internatsgymnasiums am Donnerstag ausfiel.

Die große Zahl an regionalen und überregionalen Medienvertretern, Radiosender und Fernsehteams, wurde von den Pressesprechern der Bad Harzburger Feuerwehr betreut. Hierbei unterstützt, in den ersten fünf Stunden des Einsatzes, durch die Pressegruppe der Kreisfeuerwehr Goslar. Zusätzlich berichteten sie immer wieder aktuell vom Einsatz auf der eigenen Internetseite sowie im Sozialen Netz auf der Fanseite der Bad Harzburger Feuerwehr.

600 Einsatzkräfte aus dem gesamten Landkreis

Während des ganzen Einsatzes, wurden immer wieder weitere Feuerwehren aus dem ganzen Landkreis alarmiert, um die im Einsatz befindlichen Kräfte abzulösen – insgesamt waren dies 33 Feuerwehren. 600 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst, DRK, Polizei, Energieversorger und Verwaltung waren mit ziemlich genau 108 Fahrzeugen im gesamten Verlauf im Einsatz. Eine genaue Auflistung aller eingesetzten Kräfte folgt in Kürze!

Nach fast 48 Stunden, konnte schlussendliche Einsatzende am 23. Mai 2014 um 18.55 Uhr vermeldet werden und alle restlichen Fahrzeuge konnten den Heimweg antreten. Umfangreiche Aufräumarbeiten, zur Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft, schlossen sich den gesamten Abend an.