06.12.2015 23:45 Alter: 263 days
Kategorie: Einsätze 2015
Von: Uwe Fricke und Florian Karlstedt

Erneut Feuer Harzburger Hof


Über 160 Einsatzkräfte bekämpften heute Nacht ein Feuer im dritten Obergeschoss und Dachbereich eines Nebengebäudes


Mit dem Einsatzstichwort „Feuer groß“ wurden um 23:46 Uhr die Feuerwehren Bad Harzburg, Bündheim/Schlewecke und Harlingerode, zeitgleich zum Harzburger Hof in die Kurhausstraße, gemäß einem besonderen Alarmplan für dieses Objekt, alarmiert. Schon im Bereich der 1.500 m Luftlinie entfernten Feuerwache Bad Harzburg war starker Brandrauch wahrnehmbar. Es rückten daraufhin in kurzen Zeitabständen zuerst der Löschzug und danach der Rüstzug der Bad Harzburger Feuerwehr, sowie die Ortsfeuerwehren Bündheim/Schlewecke und Harlingerode zur Einsatzstelle aus.

Vor Ort wurde der weitläufige riesige Gebäudekomplex sofort durch mehrere Führungskräfte der Bad Harzburger Feuerwehr umfassend erkundet. Im Dachgeschoss eines Nebengebäudes des ehemaligen Hotels "Harzburger Hof" waren bei Eintreffen der Feuerwehr Flammen erkennbar. Das Feuer hatte bereits Teile der Dachkonstruktion erfasst und meterlange Flammen schlugen aus den Fenstern in den Nachthimmel.

Umgehend forderte die Einsatzleitung einen weiteren Löschzug aus der Stadt Goslar nach. 

Anfänglich wurde nur mit einem Werfereinsatz über die Bad Harzburger Drehleiter im Außenangriff der Brand bekämpft. Danach erfolgte, nachdem die Goslarer Drehleiter als zweite Anleiterbereitschaft eingetroffen war, die Brandbekämpfung mit Atemschutzgeräteträgern im Innenangriff. Durch ständig wieder aufflackernde Brandnester und durch die baulichen Gegebenheiten wurde daraus ein langwieriger Einsatz mit insgesamt 30 Atemschutzgeräteträgern. Besondere Probleme bereiteten die vielen Schichten Bitumenbahnen auf dem Dach des Gebäudes und der lange Kriechboden, der sich über den gesamten Gebäudekomplex erstreckte.

Der gesamte Wasserverbrauch lag bei ca. 360.000 Liter. Es waren mehrere Hohlstrahlrohre im Innenangriff und zwei Werfer über die Drehleitern über einen Zeitraum von sechs Stunden mit kurzzeitigen Pausen im Einsatz.

Gegen 00:45 Uhr wurden die Ortsfeuerwehren Westerode und Bettingerode ebenfalls zur Einsatzstelle beordert. Die Einsatzstellenversorgung wurde anschließend durch die Feuerwehren Bettingerode und Bad Harzburg sichergestellt. Die Feuerwehr Westerode übernahm die Atemschutzsammelstelle.

Ein Feuerwehrkamerad wurde während des Innenangriffs unter schwerem Atemschutz durch einen Deckenbalken der herab fiel, am Kopf getroffen. Die Deckenteile fielen auf seinen Helm, die Atemschutzmaske und den Lungenautomaten (alles Überdrucktechnik), die der besonderen Belastung aber ohne Ausfall standhielt. Der Kamerad erlitt hierbei eine Gehirnerschütterung. Er wurde stationär im Krankenhaus Goslar behandelt.

Die Gesamteinsatzleitung oblag dem Ortsbrandmeister der Bad Harzburger Feuerwehr. Vor Ort informierten sich Bürgermeister Ralf Abrahms, Kreisbrandmeister Uwe Borsutzky und Stadtbrandmeister Jürgen Volk über die laufenden Löscharbeiten. Es wurden vom Einsatzleiter mehrere Einsatzabschnitte gebildet und die Pressegruppe des Landkreises übernahm die Medienbetreuung. Die Feuerwehr Bündheim/Schlewecke übernahm zudem die Warnung der Patienten und des Pflegepersonals der benachbarten Kurklinik, da die Rauchwolke das Gebäude stark einhüllte.

Für die Einsatzleitung wurde der große Einsatzleitwagen (ELW 2) des Landkreises eingesetzt und für die Versorgung der Atemschutzgeräteträger war der neue Atemschutzcontainer der FTZ Goslar vor Ort im Einsatz. Insgesamt drei Löschfahrzeuge standen als „Stadtwache“ für eventuell weitere Paralleleinsätze zur Verfügung. Das dies eine weise Entscheidung war, zeigte sich, nachdem während der Löschmaßnahmen ein weiteres Feuer in Bad Harzburg gemeldet wurde. Einsatzkräfte der „Stadtwache“ wurden aus der Kurhausstraße an die Einsatzstelle am Berliner Platz beordert. Dort war in einer Pizzeria auf der Toilette ein Handtuchspender in Brand geraten.

Im Stundenrythmus fanden im ELW 2 des Landkreises Lagebesprechungen mit den Abschnittsleitern statt. Gegen 06:00 Uhr konnte Feuer aus gemeldet werden. Das Räumen der Einsatzstelle und die Einsatznachbereitungen dauerten bis gegen 12:30 Uhr an.

Das Gebäude wurde von der Polizei beschlagnahmt. Über das Ordnungsamt der Stadtverwaltung wurde der Grundbesitzer über das Schadenfeuer informiert.

Auch dieses Mal hat sich das spezielle Einsatzkonzept für das Objekt gut bewährt. Ebenfalls gut bewährt hat sich wieder die schnelle Alarmierung der Pressegruppe der Kreisfeuerwehr Goslar, die der Einsatzleitung die Medienarbeit abnahm.

Über die Schadenhöhe und Brandursache kann die Feuerwehr keine Angaben machen. Hierzu verweist die Feuerwehr an die ermittelnden Polizeibeamte. Bereits am 21. Mai 2014 brannte das Hauptgebäude des ehemaligen Hotels. Die Löscharbeiten dauerten seinerzeit über mehrere Tage an.

Eingesetzte Kräfte und technische Daten:

Es waren insgesamt 163 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Regelrettungsdienst, Polizei und Stadtverwaltung im Einsatz. Insgesamt waren zudem 43 Einsatzfahrzeuge vor Ort, diese gliederten sich in:
8 Führungsfahrzeuge,
13 Löschfahrzeuge,
2 Drehleitern,
1 Rüstwagen,
1
Wechselladerfahrzeug der FTZ mit dem Atemschutzcontainer,
2 Rettungswagen,
7 sonstige Einsatzfahrzeuge (MZF, GW, Schlauchwechselwagen der FTZ),
6 Polizeifahrzeuge und
3 städtische Fahrzeuge